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Vom Muster zum Detail



Es ist Dezember, die Wachstumsperiode des Jahres ist vorbei. Die Pflanzen ziehen ihre Energie zurück in die Erde und gehen in den Winterschlaf. Es ist Pflanzzeit, zumindest für Gehölze. Es ist der perfekte Zeitpunkt, um den Garten mit wurzelnackten Obstbäumen oder Sträuchern zu bestücken. Denn erstens sind die wurzelnackten Pflanzen am günstigsten und zweitens sind sie auch leichter zu transportieren. Und wenn sie jetzt in den Wintermonaten eingepflanzt werden, sind sie im Frühjahr startklar für die neue Wachstumszeit. Doch wie weiss ich, welchen Baum oder Strauch ich wo in meinem Garten platzieren kann? Denn vor allem die größeren Hochstammbäume sind mächtige Wesen und geben in unserem Garten die Struktur vor. Und wenn ein Baum mal eingepflanzt ist, wird er hoffentlich die nächsten Jahrzehnte da stehen bleiben und sich in alle Richtungen ausbreiten. Die Pflanzung sollte also gut überlegt sein. Darum erstellen wir am besten einen Gartenplan.


In der Permakultur wollen wir vom Muster zum Detail planen. Doch was heißt denn das? Anstatt sich als erstes zu überlegen, wo ich jetzt meine Kräuterschnecke im Garten platzieren soll, beobachte ich zuerst die Muster. Muster sind Formen, die die meisten Menschen verstehen und sich merken können. Wir beobachten sie in der Natur und in der Gesellschaft. Ein Beispiel ist der Bau des Spinnennetzes: Das Grundprinzip ist klar, aber die Details variieren von Netz zu Netz.

Ein Muster, das in unserer Klimaregion zu beobachten ist, ist das Auftreten von Wäldern und Waldrand-Gärten. Wenn der Mensch weniger oder gar nicht in die Natur eingreifen würde, wären dies die vorherrschenden Ökosysteme. Daher ist es sinnvoll, solche Waldgärten in unserem Klima und in der Region zu etablieren.


In der Praxis sieht das so aus, wir beobachten, woher die Sommer- oder Wintersonne kommt, und woher die Winde wehen. Wir beobachten auch woher das Wasser kommt und wie es sich auf unserem Grundstück verhält. Wir lernen unser Grundstück kennen mit allen Einflüssen, die darauf wirken. Wir gehen mit vollem Bewusstsein durch unseren Garten und versuchen diesen voll und ganz wahrzunehmen. Wir denken nicht, sondern wir versuchen ihn zu spüren. Setzen Sie sich an verschiedenen Orten in Ihrem Garten hin und beobachten Sie, wo Sie sich am wohlsten fühlen. Wo ist die Energie ruhig, wo eher unruhig. Dies ist meistens der einfachste Weg, um mit der Gartenplanung zu beginnen. Danach platzieren Sie die größten Elemente. Vielleicht gibt es einen Gartensitzplatz, einen Schwimmteich oder ein Gewächshaus? Dies sind meist Schlüsselelemente, die Ihrem Garten eine grundsätzlich verändernde Struktur geben werden. Wenn Sie diese platziert haben, kommen bald mal die Hochstammbäume an die Reihe. Bei kleineren Grundstücken können es natürlich auch kleinere Bäume sein. Warten Sie nicht mit den Pflanzen der Bäume, denn einen Gemüsegarten kann man jederzeit starten. Die Bäume aber müssen heute gepflanzt werden, Ihre Kinder werden es Ihnen dankbar sein. Das Wichtige ist, dass man mit den größten Elementen beginnt. Sie geben ihrem Garten das Muster vor. Stellen Sie sich vor Ihrem inneren Auge vor, wie die Bäume aussehen werden, wenn sie ausgewachsen sind. Pflanzen Sie die Bäume mit genügend Abstand und nicht alle in einer Reihe. Erstellen Sie ein Muster.


Wenn die Bäume gesetzt sind und die großen Elemente im Garten klar sind, dann kommen die kleineren Strukturen, wie zum Beispiel die Sträucher wie Haselnuss, Sanddorn oder Kornelkirsche. Die Kornelkirsche gibt es übrigens auch in großfruchtigen Sorten. Ein super Ersatz für die Süsskirsche, welche vor allem in unteren Lagen wegen der Kirschessigfliege immer schwieriger anzubauen ist. Die Kornelkirsche ist davon nicht betroffen. Zudem ist sie resistent bei Spätfrost. Es gibt unzählige Gehölze, die Sie in Ihrem Garten pflanzen können, es müssen nicht immer nur Apfel oder Birne sein. Zu dem Thema empfehle ich das Buch “555 Obstsorten für den Permakulturgarten” von Siegfried Tatschl. Das Buch inspiriert und weitet den Horizont.

Von den hohen Sträuchern geht es weiter zu den Beerensträuchern und danach zu den Stauden und den Bodendeckern. Dieser Prozess darf sich gerne auch über ein paar Jahre herziehen. Lassen Sie sich mit der genauen Bepflanzung und dem Detail Zeit, fangen Sie mit der Grundstruktur an. Danach werden Sie Ihren Garten besser kennenlernen. Es ist schwierig, von Anfang an den gesamten Garten zu planen, wenn noch keine Struktur gegeben ist.


Wussten Sie, dass eine Wiese in Konkurrenz steht mit den jungen Obstbäumen? Das Gras in der Wiese hemmt den Baum im Wachstum. Zudem zieht sie viel Wasser und der junge Baum hat Mühe in seiner Entwicklung. Um den jungen Gehölzen ein optimales Gedeihen zu ermöglichen, entfernen wir die Wiese, indem wir sie abmulchen. Wir bedecken sie zum Beispiel mit Laub. Die Wiese stirbt dabei ab, kompostiert und gibt Nährstoffe frei. Das kohlenstoffhaltige Laub hilft zudem Mykorrhiza Pilze aufzubauen, was wiederum gut fürs Bodenleben ist. Im Frühjahr können Sie dann rund um den Baum eine Pflanzen-Gilde erstellen, eine Gemeinschaft an Pflanzen, die sich und den jungen Baum optimal unterstützen. Hierzu gehören zum Beispiel die Pfahlwurzler, Meerrettich oder Beinwell. Diese durchdringen den Boden mit ihren starken Wurzeln, lockern ihn damit auf. Zudem holt der Beinwell wertvolle Nährstoffe aus dem Boden und reichert diesen mit Humus auf. Zur Pflanzen-Gilde können auch mehrjährige Zwiebelgewächse wie Etagenzwiebeln oder Schlangenknoblauch gepflanzt werden, diese unterstützen den Obstbaum, das Rosengewächs, im Wachstum. Weitere Pflanzen, die Sie gut in einer Obstbaum-Gilde pflanzen können, sind zum Beispiel Zitronenmelisse, Rainfarn (dieser gilt als natürliches Pestizid), verschiedene Artemisia Pflanzen, Alant oder Minze.

Sparen Sie nicht bei der Besorgung ihrer Pflanzware. Nehmen Sie sich Zeit und gehen Sie zum Spezialisten. Die Gehölze sind dann meist robuster und weniger anfällig für Krankheiten.


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