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Warum Mischkultur?




Langsam aber sicher ist es soweit. Die Zeit der langen Nächte ist mehr und mehr vorbei. Die Vögel zwitschern und die ersten Wildpflanzen schießen saftig grün aus dem Boden. Der Frühling kommt. Doch bevor wir im Garten richtig loslegen können, machen wir erstmal einen guten Gartenplan. Wie wäre es, dieses Jahr den Garten einmal als Mischkultur anzulegen? Ich bin mir sicher, du hast schon mal von diesem Begriff gehört. Das anordnen von Pflanzen in einer Pflanzgemeinschaft in der die Pflanzen voneinander profitieren. In der Permakultur versuchen wir mit der Natur zu arbeiten. Das heißt auch, wir planen Systeme mithilfe von Mustern, die wir in der Wildnis finden. In der Wildnis habe ich persönlich noch sehr selten eine Monokultur gesehen. Also, wieso bauen wir denn unser Essen in der Monokultur an? Der Anbau in Mischkultur ist eine Praxis, die aus jahrelanger Beobachtung der Natur entstanden ist. Man erstellte Pflanzengemeinschaften, die sich gegenseitig beim Wachstum unterstützen. So haben wir gesunde Pflanzen und das Gartenbeet ist optimal auf Raum und Zeit ausgenutzt. Denn auch in der Natur gibt es keine leeren, nutzlosen Plätze.


Sehende Pflanzen


Aber wieso sollten sich Pflanzen gegeneinander beeinflussen? Kürzlich war ich zu Besuch beim Deutschen Förster Peter Wohlleben, bekannt aus dem Kinofilm “Das geheime Leben der Bäume” (sehr empfehlenswerter Film und auch Buch). Er und sein Team sind der festen Überzeugung, dass es Pflanzen gibt, die wie wir Menschen Tasten, Hören, Riechen und sogar Sehen können. Dass Pflanzen sich den Weg ertasten, haben wahrscheinlich viele von euch GärtnerInnen schon beobachtet. Wissenschaftler haben aber auch bewiesen, dass Pflanzen schöner und schneller wachsen oder auch mehr Ertrag geben können bei klassischer Musik. Ihre Lieblingsmusik ist jedoch das Gezwitscher der Vögel. Also gleich mal das Vogelhäuschen im Garten installieren, damit die Kartoffeln dieses Jahr auch wirklich schön groß werden.

Bekannt ist auch, dass Bäume mit Duftstoffen miteinander kommunizieren. Mittlerweile sind ungefähr 2000 verschiedene Duftstoffe bekannt, die in unseren Wäldern durch die Gegend fliegen. Diese stärken nicht nur unser Immunsystem, sie sind auch Lebenswichtig für unsere Bäume und Pflanzen allgemein. Mit diesen Duftstoffen können die Bäume miteinander kommunizieren. Wenn zum Beispiel ein Baum von einem bestimmten Insekt angegriffen wird, kann dieser ein Signal an Artgenossen senden, um diese vorzuwarnen.

Als sei dies nicht schon genug Kommunikation, haben Wissenschaftler vor kurzem herausgefunden, dass es sogar Pflanzen gibt, die Sehen können. Sie nehmen das Licht in der Umgebung wahr und können sogar Formen erkennen. Sehende Pflanzen? Beim nächsten Mal, wenn ich in der Natur pinkeln gehe, überlege ich es mir zweimal, hinter welchen Baum ich gehen soll. Wir sehen also, die Pflanzen haben es ganz schön drauf. Sie sind ja auch unsere Vorfahren. Ich hoffe ich konnte Sie überzeugen, Ihren Pflanzen dieses Jahr einen optimalen Platz neben deren Pflanzenfreunden anzubieten, damit sie optimal gedeihen.





Monokultur vs. Mischkultur


Machen wir ein Beispiel und bepflanzen ein Beet mit Weißkohlpflanzen. Wir machen das schön ordentlich, jäten alle Beikräuter rundherum und setzen die Pflanzen im angegebenen Abstand in die Erde. Die Kohlpflanzen ziehen alle dieselben Nährstoffe aus der Erde. Dies kann im ersten Jahr noch funktionieren, wenn der Boden genügend Nährstoffe hat. Doch im folgenden Jahr muss unbedingt eine Kreuzblütler Pause eingelegt werden. Hätten wir den Kohl in einer Mischkultur gepflanzt, würde sich der Boden nicht einseitig auslaugen. Je mehr verschiedene Pflanzen sich in einer Mischkultur finden, desto weniger muss der Gärtner oder die Gärtnerin auf die Fruchtfolge achtgeben.

Sagen wir mal, dem Weißkohl geht es gut. Jetzt kommt plötzlich ein Kohlweißling daher geflogen. Natürlich kann der kleine Schmetterling, dieses ganze Beet voll mit seiner Lieblingspflanze, schon von weitem riechen. Auf direktem Weg fliegt er zu unserem Kohlbeet, um dort seine Eier zu platzieren. Die geschlüpften Raupen fressen dann unseren Kohl und die ganze Arbeit war für uns umsonst.

Ich pflanze meinen Kohl in Mischkultur mit Hanf, Ringelblumen und Lauch. Die starken Düfte dieser Pflanzen helfen dem Kohl, sich zu verstecken. Der Kohlweißling findet meine Pflanzen nicht in meinem Pflanzenurwald und zieht weiter zum Nachbarn. Dies sind nur zwei Beispiele, die zeigen sollen, wie und wieso eine Mischkultur funktionieren kann. Dazu gibt es aber unzählige Beispiele und Praktiken.


Das Gute an der Mischkulturenpraxis ist, dass wir jetzt nicht alle im Garten sitzen müssen und den Pflanzen beim Kommunizieren zuschauen müssen, um zu lernen, welche Pflanze sich mit welcher verträgt. Denn es hat bereits Menschen gegeben, die das für uns gemacht haben. Im Internet finden sich unzählige Mischkulturtabellen und auch Pflanzpläne für die zeitliche Abfolge der Pflanzung sowie Angaben zum Pflanzabstand der einzelnen Pflanzen. Die Angaben können je nachdem etwas abweichen, aber grundsätzlich stimmen die Tabellen überein.





Nicht nur im Gemüsegarten


Die meisten GärtnerInnen begrenzen ihr Mischkulturwissen jedoch auf den Gemüsegarten. Aber auch unsere Kräuter, Sträucher und Bäume in unserem Garten haben gerne einen lieben Nachbar oder Nachbarin. Wussten Sie, dass die Wiese eine starke Konkurrenz zu unseren Obstbäumen ist? Das Gras gibt chemische Verbindungen ab, welche die Obstbäume beim Wachstum hemmen. Zudem ist der Wurzelteppich der Wiese zu dicht für ein gesundes Bodenleben und verbraucht auch Unmengen an Wasser.

Alternativ können wir unter unserem frisch gepflanzten Obstbaum auch eine Baumgilde erstellen. Mehrjährige Zwiebelgewächse, wie die Winterheckenzwiebel, können direkt in die Nähe des Stammes gepflanzt werden. Diese hält Pilzkrankheiten fern und gibt zudem auch reichlich Ertrag. Pfahlwurzler wie Meerrettich oder Beinwell lockern den Boden auf und reichern ihn zudem mit wertvollen Nährstoffen und Humus auf. Die Schwarze Johannisbeere, nahe am Stamm gepflanzt , sorgt dafür, dass sich die Wühlmäuse nicht am jungen Baum zu schaffen machen. Ein alter Bauerntrick. Oder sie können auch Stangenbohnen den Baum hochwachsen lassen, um zusätzlich Stickstoff in den Boden zu bringen.

Solche Pflanzengemeinschaften gibt es noch unzählige. Probieren Sie es aus und fangen Sie an, im Garten zu experimentieren.


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