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Permakultur kann nicht nur Gemüse

Ein Beitrag von der Sozialpädagogin und Gartentherapeutin Eva Zurlinden.


Als ich vor einigen Jahren angefangen habe mich mit Permakultur zu beschäftigen, hat es mich vor allem interessiert, wie ich meinen Garten nachhaltig und ertragreich bewirtschaften kann. Lange glaubte ich es gehe in der Permakultur vor allem um nachhaltiges Leben und gärtnern. Erst seit ich mich als Sozialpädagogin und Gartentherapeutin selbstständig gemacht habe, ist mir klar geworden, dass Permakultur sehr starke soziale Ideen hat und dass mein «Freiluft Therapiezimmer» genauso auf dem Permakultur Gedanken begründet ist wie der Garten, in dem ich mit den Menschen arbeite. Meine Abschlussarbeit in der Gartentherapieausbildung hat mir vollends die Augen geöffnet. Dort schreibe ich über Entwicklungsprozesse von Menschen.



Streben nach Autonomie und Verbundenheit


Der Neurobiologe Gerald Hüther schreibt in seinen Büchern von den beiden Grundbedürfnissen, die jeder Mensch hat: Autonomie und Verbundenheit. Wenn ich das nun mit der Permakultur – Blume nach Mollison und Holmgren vergleiche, scheinen mir die zwei Bedürfnisse eins zu eins den Ethik Prinzipien der Permakultur zu entsprechen. Gesundheit und Wohlbefinden sowie Kultur und Bildung beinhalten die Bedürfnisse nach Autonomie und Verbundenheit.



Im Einklang mit sich, der Natur und der Gemeinschaft


Lass uns das etwas genauer betrachten. Eines der grössten Ziele der Permakultur ist das Leben im Einklang mit sich, der Natur und der Gemeinschaft. Dieses Ziel, wurde herausgefunden, ist auch das Ziel unseres Gehirns. Das menschliche Gehirn möchte nichts lieber als im Einklang zu sein. Es strebt nach Kohärenz. Was heisst, unser Gehirn versucht so wenig Energie wie möglich zu brauchen, damit für den Notfall genügend Energie bereit steht. Wenn wir jedoch ständig in Kohärenz leben würden, hätte die Menschheit ein echtes Problem. Denn wenn alles im Einklang wäre, gäbe es keine Notwendigkeit sich zu entwickeln. Zum Glück ist der Mensch ein Herdentier und in einer Gemeinschaft gibt es immer Situationen und Gegebenheiten, die uns aus diesem Einklang herauswerfen. Es kommt dadurch zu einer Inkohärenz. Das heisst, du z.B. bist nicht zufrieden mit einer Situation, möchtest etwas besser können oder es taucht ein Problem auf. Es muss eine Lösung her. Und genau in diesem Moment beginnst du dich zu entwickeln. Du hast neue Ideen, findest Lösungen, die für dich passen – dich wieder in den Einklang mit dir selbst bringen.





Entwicklungskreislauf


Es beginnt ein Kreislauf wie wir ihn von der Natur kennen, sie entwickelt sich immer weiter, um mit ihrer Mitwelt in Einklang zu sein und Trockenheit und andere Probleme löst sie, wenn man sie lässt auf ihre eigene Weise, sie organisiert sich selbst. Genauso organisiert sich der Mensch, die Gemeinschaft selbst, wenn man sie lässt und nicht mit Druck und Angst etwas zu erzwingen versucht.


Leben in der Permakultur


Wer sich mit Permakultur beschäftigt versteht es bald, durch beobachten und geschickt zu pflanzen einen ertragreichen Garten zu kultivieren. Wieso? Weil er/sie mit und nicht gegen die Natur arbeitet. Wie ich vorher schon angedeutet habe, ist die Menschheit teil dieser Natur und funktioniert deshalb genauso.

Wir pflanzen in unseren Gärten Mischkultur an, möglichst viel Biodiversität und schauen, dass die Bedingungen zum Wachsen für jede einzelne Pflanze und für das grosse Ganze stimmen. Wenn das Bedürfnis nach Licht, Wärme oder Wasser nicht abgedeckt werden kann, verändern wir die Bedingungen. Es würde uns nie einfallen an einer Pflanze zu ziehen, damit sie besser wächst. Geht es um unsere Mitmenschen – besonders Kinder – wird oft daran gezogen und versucht den Menschen zu verändern, anstatt die Bedingungen anzupassen. Anstatt die Vielfalt zu feiern, werden wir Menschen in einer Monokultur - Schule grossgezogen. Jeder muss Ende der Schulkarriere das gleiche Wissen und die gleichen Kompetenzen haben. Dieser Druck des Bildungssystem verursacht, dass wir im Erwachsenenalter keine Lust mehr dazu haben zu wachsen. Wie eine Pflanze die falsch behandelt wurde als Setzling.


Leben in der Permakultur heisst also nicht nur den Pflanzen zu helfen ihr Potenzial und ihre Grösse zu erreichen, sondern auch jedem einzelnen Menschen.





Mischkultur statt Monokultur


So ist das Motto der Permakultur auch im Zusammenleben zwischen Menschen «Mischkultur statt Monokultur». Wenn wir erkennen, wie jeder und jede einzigartig genial ist, können wir mit weniger Ressourcen viel mehr leisten. Wenn jeder und jede wüsste, was sie alles kann und nur noch ihren bzw. seinen Interessen folgen würde, ginge ihr Wachstum durch die Decke. Und alle könnten von den Fähigkeiten der andern profitieren. So wie es auch Pflanzen tun, die sich immer gegenseitig beim Wachsen helfen und ihre Fähigkeiten (z.B. Stickstoff sammeln) andern zur Verfügung stellen.


Dann wären wir Verbunden


So wäre jeder von jeder abhängig und verbunden, es gäbe ein Netz aus Fähigkeiten und Menschen, die miteinander verbunden sind.

Und was noch viel wichtiger ist, sie sind mit sich verbunden und können ihr volles Potenzial sich und der Gemeinschaft zur Verfügung stellen. Heute ist es viel zu oft so, dass Menschen abgetrennt sind von ihren Bedürfnissen und Talenten. Wieso? Weil sie sonst nicht ihrer mit dem Verstand gewählten Karriere nacheifern könnten, weil sie dann zu wenig denken und zu viel träumen würden von dem, was sie als Kind fasziniert hat - z.B. Musik - von den Erwachsenen als kindische Träumerei verurteilt wurde.

Nein, in der Permakultur geht es nicht nur um den Anbau von Gemüse. Es geht darum uns neu kennenzulernen, gross zu träumen und vor allem anders als alle anderen. Denn wo kämen wir hin wenn wir alle Rüebli wären. Es würde nicht mal zur Rüeblitorte reichen. Jeder Mensch ist einzigartig und kann so einen unglaublich wertvollen Beitrag für die Gemeinschaft leisten. Er ist ein wertvoller Teil des grossen Ganzen. Es geht darum uns natürlich zu verbinden miteinander, Ressourcen zu nutzen, anstatt Defizite verdrängen zu wollen. Jeder Mensch hat Ressourcen, die er teilen kann, egal ob jemand komplexe Rechnungen lösen kann oder «nur» schnell klettern kann. Genau wie in der Natur – alles ist verbunden, jeder braucht jede. Wir haben das Bedürfnis nach Verbundenheit und Autonomie, weil wir Natur sind. Wir müssen uns als eigenständige Individuen verbinden, damit wir zusammen unsere grossen Träume verwirklichen können.


Ich weiss, die Welt da draussen funktioniert noch nicht ganz so, wie ich das hier schildere. Stehst du jedoch heute auf und gibst dir das Versprechen ab heute mehr in Verbindung mit dir selbst zu leben und dein Potenzial zu entfalten, wird das etwas bewirken. Begegnest du dann zudem jedem Menschen freundlich und wertschätzend, wird sich die Welt verändern.


Glaubst du nicht? Probiers aus!


Beitrag wurde geschrieben von Eva Zurlinden. Mehr über Eva und ihre Gartenfabrik findet ihr unter folgendem Link:



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