Was ist Permakultur?

Aktualisiert: 21. Dez. 2021


Vor einigen Jahren hatte sie noch ein Nischendasein, unterdessen ist sie aber den meisten Landwirten und Hobbygärtnern ein Begriff – die Permakultur. Doch was steckt eigentlich hinter diesem scheinbar neuartigen Begriff?


Die Permakultur wurde nämlich schon in den 70er Jahren von den beiden Australiern Bill Mollison und David Holmgren gegründet. Der Begriff ist ursprünglich eine Kombination der englischen Wörter permanent und agriculture, was so viel heisst wie «permanente Landwirtschaft». Also eine Landwirtschaft, mit der auch in 1000 Jahren noch auf demselben Boden Landwirtschaft betrieben werden kann. Heutzutage geht der Begriff jedoch weiter. Es wird nicht nur Agrikultur, sondern allgemein die «Kultur» miteinbezogen, also die ganze Art und Weise, wie wir Menschen miteinander zusammenleben, wie wir mit unserer Erde umgehen und diese bewirtschaften, aber auch wie wir zu uns selbst schauen, denn auch unser eigener Körper ist ein Garten. Mit der Permakultur soll aufgezeigt werden, wie wir es schaffen, ein Überleben im Einklang mit der Natur, und nicht gegen die Natur, auf unserem Planeten ermöglichen zu können.


Die ethischen Grundsätze


Die drei ethischen Grundsätze der Permakultur helfen uns beim Vorgehen, die Permakultur in die Tat umzusetzen. Bei jeder Handlung, die wir machen – sei es bei uns im Garten oder auch im privaten Leben oder bei der Arbeit –, können diese hinterfragt werden.

Als erster Grundsatz steht die «Earth Care», also das Sorgetragen für unseren Planeten. Denn die Menschen sind zu Gast auf diesem Planeten. Die Erde ist unsere Lebensgrundlage und wir bekommen von ihr alles, was wir zum Leben brauchen. Für dieses Geschenk sollten wir dankbar sein und der Natur den nötigen Respekt erweisen. Das heisst, egal was wir in unserem Garten unternehmen, die Natur sollte dabei keinen Schaden nehmen. Im Gegenteil, wir sollten die Erde sogar heilen. Als zweiter Grundsatz steht das «People Care», das Sorgetragen für die Menschen. Wir sollen auf uns selbst und auf unsere Mitmenschen achtgeben. Um ein friedliches Zusammenleben auf dieser Welt zu sichern, müssen wir zusammen und nicht gegeneinander arbeiten. Und zu guter Letzt steht der Grundsatz «Fair Share», also eine faire Teilung der Güter. Unser Planet hat begrenzte Kapazitäten. Dabei sollten wir nicht mehr nehmen, als wir wieder zurückgeben können. Dies erreichen wir, indem wir nicht verschwenderisch mit Ressourcen umgehen und von der Natur nur das nehmen, was wir fürs Überleben benötigen. Überschuss wird mit anderen geteilt, zu fairen Preisen verkauft oder der Natur zurückgegeben.


Mit der Natur

Permakultur steht für ein Konzept, welches multifunktionale und vernetzte Ökosysteme designt, initiiert und erhält. Das heisst, in der Permakultur wird viel Wert auf das Gartendesign gelegt. Denn durch ein optimales Gartendesign kann ein Ökosystem aufgebaut werden, welches resilient ist und von selbst funktioniert. Der Mensch muss danach nur noch eingreifen, wenn das Gleichgewicht ins Schwanken kommt und zum Beispiel eine Pflanze überhandnimmt. Es werden also nicht irgendwelche Pflanzen an einen beliebigen Ort gepflanzt, sondern genau darauf geschaut, wo der Bestimmungsort dieser Pflanze sein soll. Dabei können wir die Natur als Beispiel nehmen. «Wo würde diese Pflanze denn in der Natur wachsen?», können wir uns fragen. So wissen wir zum Beispiel, dass die Heidelbeere ursprünglich aus den Wäldern stammt und daher einen sauren und lockeren Boden benötigt. Daher pflanzen wir sie am passenden Standort im Garten. Jedoch spielt nicht nur der einzelne Standort, sondern auch die Pflanzengemeinschaft eine Rolle. Die Pflanzen in unserem Garten kommunizieren auf verschiedenste Weisen miteinander. Sei das durch das Absondern von Duftstoffen, durch das Wurzelgeflecht oder auch auf anderen Wegen. Alle Pflanzen stehen im kontinuierlichen Austausch miteinander. Dabei geht es ihnen wie uns Menschen, einige vertragen sich besser und einige weniger. Hier können wir darauf schauen, dass wir diese Pflanzengemeinschaften positiv begünstigen. Wenn Sie zum Beispiel einen neuen Apfelbaum bei sich in den Garten setzen, können Sie gleich einige Pflanzen danebensetzen, welche sein Wachstum begünstigen. Anstatt ein Gitter gegen Wühlmäuse um den Wurzelballen zu legen, welches das Wachstum der Wurzeln hemmt, setzen Sie einige Beinwell- und Meerrettich-Pflanzen. Diese lenken die Mäuse ab, sind zudem Humus aufbauend und durchlüften mit ihren grossen und tiefen Pfahlwurzeln den Boden. Daneben pflanzen wir zum Beispiel eine Melisse gegen die Blattläuse und einige Zwiebelgewächse, wie zum Beispiel den mehrjährigen Lauch oder Schnittknoblauch, welche das Wachstum des Apfelbaumes (Rosengewächs) begünstigen. Durch diese Pflanzengilde wird auch die Wiese ferngehalten, welche den Baum nur negativ beeinflussen würde und eine Konkurrenz wäre. Wenn wir so arbeiten und unseren Pflanzen optimale Voraussetzungen schaffen, um zu gedeihen, wird die Natur mit uns zusammenarbeiten und unsere Arbeit auch belohnen.



Beobachten

Die Permakultur ist kein Konzept, das eins zu eins vom einen in den anderen Garten kopiert werden kann. Jeder Garten und jedes Ökosystem ist anders. Die Menschen, welche bereits seit einigen Jahren einen Garten bewirtschaften, wissen das. Keiner kennt Ihren Garten so gut wie Sie selbst. Sie wissen, wo die Sonne als Erstes auftaucht und wo der letzte Sonnenstrahl Ihr Grundstück verlässt. Sie wissen auch, welche Stellen im Garten zuerst austrocknen, wenn im Hochsommer die Sonne darauf scheint, und wo es eher feucht bleibt. Vielleicht wissen Sie sogar, wo der Wind durchweht und welche Teile des Gartens dem Wind ausgesetzt sind oder eben nicht. Falls Sie all dies noch nicht wissen oder falls Sie dieses Jahr einen neuen Garten anlegen, ist es jetzt Zeit für die Beobachtung. Verbringen Sie Zeit in Ihrem Garten und versuchen Sie Ihren Garten kennenzulernen, bevor Sie überhastete Entschlüsse fassen. Denn wenn die Hecke einmal gepflanzt ist, wollen wir sie stehen und gedeihen lassen.


 

Permakultur im Garten / in der Landwirtschaft

In der Permakultur sollen alte Techniken, gute Idee und neue Erkenntnisse in die Gestaltung von Ökosystemen einfliessen. Die zehn Permakultur Grundsätze helfen uns dabei ein Permakultursysteme zu entwickeln.


1. Von der Natur lernen

Als Grundsatz gilt: es soll mit der Natur und nicht gegen die Natur gearbeitet werden. Strukturen, Muster und Formen können in der Natur erkannt werden und in die Planung einfliessen. Die Natur kennt keine Quadratische, rechteckige Formen, wie so oft in der kommerziellen Landwirtschaft gesichtet wird.

Zudem ist jeder Standort anders. Vor der Planung versuchen wir achtsam die Veränderungen im Jahresverlauf zu beobachten. Auch Pflanzen, Tiere und Bodenstruktur auf dem Grundstück sollen kennengelernt werden.


2. Vielfalt ermöglichen

In der Permakultur versuchen wir eine natürliche Mischkultur und eine geschickte Fruchtfolge zu integrieren. Das Grundstück wird in verschiedene Zonen geteilt und eine sinnvolle Pflanzengemeinschaft errichtet.


3. Vernetzung fördern

Jedes Element erfüllt mehrere Aufgaben und jede wichtige Aufgabe wird von mehreren Elementen erfüllt. Diese stehen zudem in Beziehung zueinander und ergänzen oder begünstigen sich zusätzlich. Auch die Vernetzung von Menschen soll gefördert werden und Bedürfnisse einbezogen werden.


4. Resiliente Systeme schaffen

Das Grundstück soll so gestaltet werden, dass mit einer Vielfalt aus Elementen, toleranten Pflanzen und Vernetzungen auf extreme Wetterveränderungen wie Trockenheit, Hagel, Kälte oder Schädlingen reagiert werden können. Der Schaden soll gering gehalten werden und das System sich von selber regenerieren können.


5. Energie effizient nutzen

Energie soll eingefangen, gespeichert und klug genutzt werden. Dies kann zum Beispiel mit Sonnenfallen, Terrassierung, Gewächshäusern, Wasserspeichern oder Steinen geschehen. Zudem sollten kurze Wege und optimale Arbeitsabläufe geplant werden. Gearbeitet wird meist im 20:80 Prinzip --> durch 20% Input erhält man 80% des Outputs.


6. Kreisläufe einrichten und Ressourcen optimal nutzen

Wir handeln nach den 6 Rs: Refuse, Reduce, Rethink, Repair, Reuse, Recycle. Material und Energie soll möglichst aus nächster Nähe bezogen werden um so Kreisläufe zu schliessen. Anstatt Maschinen einzusetzen können Pflanzen, Tiere oder Menschen für die Arbeit eingesetzt werden.


7. Kooperation und Integration fördern

Verschiedene Bedürfnisse von Pflanzen, Tiere und Menschen können eingebaut werden zur Erholung, Freude, Lärmschutz, Ernte, usw. Zum Beispiel kann eine Baumscheibe bepflanzt werden für eine vielfältige Ernte und die Elemente begünstigen sich gegenseitig.


8. Positive und kreative Lösungen finden

Für eine nachhaltigen Lebensstil können wir über das herkömmliche Denkschema hinausdenken und neue Ideen erarbeiten. Individuelle Lösungen können gefunden werden welche sich an die lokalen Gegebenheiten anpassen können.


9. Wasser effizient nutzen

Regenwasser kann an der höchsten Stelle des Grundstückes aufgefangen und genutzt werden. Dabei kann es durch möglichst vielen Zwischenstationen über das Grundstück laufen und vielfältig genutzt werden. Zum Beispiel zur Bewässerung, als Wärmespeicher oder für Wasserspülung, Duschen etc.


10. Gestalten und optimal anordnen

Alle Elemente sollen so geplant werden, dass die meisten nützlichen Beziehungen zu anderen Elementen wirksam werden. Zum Beispiel das Hühnerhaus neben dem Kompostplatz oder den Teich vor dem Gewächshaus einrichten.


Es gibt keine allgemein Lösungen für einen Permakultur Garten. Jeder Garten sieht anders aus und hat auch individuelle Bedürfnisse. Diese zehn Design Grundsätze helfe jedoch weiter zu denken, und eine individuelle Lösung für den Garten, die Gemeinschaft und sich selber zu finden.


Als Inspiration:





Quelle & Inspiration: Buch "Permakultur - Grundlagen und Praxisbeispiele für nachhaltiges Gärtnern" von Bachmann, Bührer, Forster

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