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Beobachten und von der Natur lernen



Der erste Punkt der zwölf Permakultur Prinzipien heißt “Beobachten und Interagieren". Nicht ohne Grund hat David Holmgren, einer der Gründer der Permakultur, dieses Prinzip an erster Stelle genommen. Es scheint mir nämlich, dass heutzutage niemand mehr genau weiss, was Beobachten eigentlich bedeutet. Uns wird nämlich nicht mehr beigebracht, wie wir richtig beobachten oder auch zuhören können. Wir wissen jeweils die Antwort bereits im Voraus. Wir lernen in unserer Ausbildung gewisse Techniken und wenden diese dann in unserem Garten oder im Berufsleben an. Da wir denken, wir könnten alle Muster einfach kopieren, müssen wir auch nicht mehr groß nachdenken. Doch unsere Welt ist in konstanter Veränderung. Unser Garten von diesem Jahr wird nicht mehr der Garten vom nächsten Jahr sein. Wenn wir jetzt wieder lernen, unseren Garten oder die Natur allgemein zu beobachten und mit diesen Erkenntnissen anfangen zu arbeiten, können wir nicht nur unsere Umwelt, sondern auch uns selbst heilen.


Immer wieder vergleiche ich mein Gartenökosystem mit dem Leben. Der Garten breitet sich nämlich in alle Bereiche unseres Lebens aus. Fangen wir bei unserem Körper an. Unser Körper funktioniert genau wie ein Garten. Er ist ein von selbst funktionierendes und sich regulierendes Ökosystem. Alles im Körper ist miteinander verbunden und arbeitet miteinander. Seien es unsere Organe oder die abermillionen Bakterien, die sich in und auf uns tummeln. Und wenn wir dieses Ökosystem schlecht behandeln, fällt der Körper ins Ungleichgewicht und wir werden krank. Und wenn wir ein Antibiotikum nehmen, um einen spezifischen Angreifer abzuwehren, töten wir zur gleichen Zeit auch unzählige andere Bakterien, welche für uns von größter Bedeutung sind. Genauso sieht es aus, wenn wir im Garten mit Pestiziden hantieren. Weiter geht es in unserem Daheim, unserem Haus oder unserer Wohnung. Unsere Mitbewohner, unsere Familie oder auch unsere Arbeit und die Menschen dort sind alles kleine Systeme, aufgebaut wie ein Garten. Was heisst das alles? Wir sind ein Teil der Natur. Unser Körper und Geist funktionieren genau wie unser Garten. Leider haben dies viele Menschen noch nicht verstanden und meinen, der Mensch ist der Natur übergeordnet. Dies sieht man zum Beispiel daran, wie “nicht-saisonal” die Menschen heutzutage funktionieren.


Zeit der Einkehr


Es ist Winter. Die Zeit nach innen zu schauen und das Leben einmal von außen zu betrachten. Ich hoffe, Sie hatten die letzten Wochen keine allzu stressige Zeit und mussten sich dem ganzen Weihnachtsstress nicht unterordnen. Denn dieses Verhalten, das der Mensch zurzeit an den Tag legt, ist vollkommen unnatürlich. Vor allem in dieser Jahreszeit. Schauen sie mal nach draußen in den Garten. Machen die Pflanzen oder Tiere im Winter ein großes Fest? Über(fr)essen sie sich mit ungesunder Nahrung? Wandern sie im künstlichen Licht von Laden zu Laden, um noch mehr Geld für Geschenke auszugeben? Ich bezweifle, dass Sie irgendwo in der Natur (außer beim Homo Sapiens) ein solches Verhalten finden können. Die Tiere und Pflanzen passen sich an den Rhythmus der Natur an. Der Winter ist die Zeit, um sich auszuruhen, einen Winterschlaf zu machen und sich ganz der Stille und Dunkelheit hinzugeben. Nutzen Sie diese Zeit der Ruhe, denn Veränderung wird kommen. Ab dem 21. Dezember werden die Tage nämlich bereits wieder länger.


Die Natur erwacht


Die Naturgeister erwachen wieder und stehen schon wieder in den Startlöchern für die neue Saison. Dies ist die Zeit, in der auch wir Menschen uns wieder mit neuen Ideen und Projekten beschäftigen können. Wir sammeln Ideen und planen unseren Garten. Was wir dieses Jahr wohl alles anpflanzen wollen? Jetzt ist aber auch die Zeit, in der man bei der Arbeit mit neuen Ideen und Projekten kommen kann. Man hat genügend Energie, um etwas Neues zu starten. Der Boden wird vorbereitet und die Saat wird ausgebracht. Die Kreativität und die Motivation sind da. Fehler werden passieren, nicht alles Saatgut wird gleichmäßig keimen oder vielleicht haben die Schnecken den diesjährigen Kohl besonders gern. Zum Glück haben wir mehr als genügend ausgesät. Die jetzige Zeit ist sehr entscheidend dafür, was wir im Herbst ernten können. Es ist eine hektische Zeit und nicht immer einfach. Aber Chaos kann auch mal gut sein im Leben.





Die Zeit des Lichts


Der Sommer ist da, es ist die Zeit des Lichtes und des Wachstums. Was wir im Frühjahr ausgesät haben, wächst, auch ohne großes Zutun des Menschen. Wir sind nur noch für die Pflege verantwortlich. Vielleicht etwas Beikraut jäten, etwas düngen hier und da oder Krankenpflege betreiben bei der einen oder anderen Pflanze. Die Arbeit wird eher kontinuierlich und ist nicht mehr ganz so intensiv wie im Frühling. Das ist auch gut so, denn der Sommer ist auch die Zeit der Feste. Ende Juni ist auch schon die Sommersonnenwende, das Fest des Lichtes und des Feuers. Wir treffen uns mit unseren Freunden, Familien und Verwandten, singen und tanzen und zelebrieren das Leben.


Die Ernte


Ab dem Spätsommer beginnt meine persönliche Lieblingssaison, die Erntezeit. Es ist die Zeit der Dankbarkeit. Wir dürfen dankbar sein, für was wir alles geleistet haben in diesem Jahr. Die Natur beschenkt uns, für die getane Arbeit, mit einer reichen Ernte. Langsam wird es wieder ruhiger um uns. Es werden jetzt keine neuen Projekte angerissen, man darf sich jetzt ausruhen. Das heißt nicht, dass wir im Herbst nicht mehr arbeiten sollen. Aber man geht im Herbst ganz anders an die Arbeit als im Frühling. Man ist viel gelassener und zufrieden, denn wir haben unsere Ziele erreicht.


Versuchen Sie, dieses Jahr einmal mit den Jahreszeiten zu leben. Sie werden merken, vieles wird einfacher gehen, wenn sie mit der Natur arbeiten und nicht gegen sie. Wenn Sie das nächste Mal in Ihren Garten gehen, erledigen Sie nicht nur Ihre Todo Liste und zischen dann wieder ab. Nehmen Sie sich Zeit, setzen Sie sich hin, atmen Sie durch, und schauen mal, was in Ihrem Garten alles so passiert. Zu Beginn werden Sie vielleicht nicht allzu viel erkennen, doch lassen Sie sich Zeit. Als Alternative können Sie auch mal Ihre Augen verbinden und sich in Ihren Garten setzen. Ja genau, beobachten geht auch ohne Augen. Unser Körper ist nämlich noch mit ganz vielen anderen Sinnen ausgestattet worden, nutzen Sie sie.




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